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Trendsportart Tauchen: Wie geht es weiter?

13. März 2009 | keine Kommentare | Geschrieben in Tauchen

Der Tauchsport hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum Trendsport entwickelt. Eigentlich ist dies eine Entwicklung, die alle Taucher erfreuen sollte, denn es ergeben sich daraus viele neue Perspektiven. Der Massenmarkt erhöht das Interesse der Industrie, somit sind alle Hersteller daran interessiert, neue Produkte zu entwickeln und dank des höheren Absatzes, diese Produkte günstig zur Verfügung stellen zu können. Die Reisebranche erkennt, dass man hier viel Potential hat und versucht den Tauchern mehr Recht zu machen. All das sind mögliche Vorteile, die sich in der Vergangenheit nicht bestätigt haben. Tauchen war für ein paar Jahre die absolute Trendsportart – nun ist der Trend aber wieder rückläufig, egal ob mit oder ohne Wirtschaftskrise. Betrachtet man nun die letzten Jahre wird man sehen, dass sicherlich das ein oder andere Produkt preiswerter geworden ist. Ist die Qualität gleichgeblieben?

Ich würde behaupten, dass auch viel Schrott durch den Markt gespühlt wurde und Qualität nach wie vor seinen Preis hat. Ich persönlich liebe mein Hobby und bin mir der Gefahren dennoch bewusst. Aus diesem Grunde besteht meine Tauchausrüstung nur aus den besten Komponenten. Egal, ob Atemregler, Jacket oder Maske alles war nicht gerade günstig, weil es nur von namhaften und erfahrenen Herstellern kommt. Das ist mir egal, denn in einer Not- oder Extremsituation hängt mein Leben davon ab, aus diesem Grunde kaufe ich nur das Beste vom Besten. Betrachtet man nun den Durchschnittstaucher auf einer Tauchbasis sieht man, dass auf Ausrüstung und deren Zustand kaum Wert gelegt wird. Die Sachen liegen stundenlang in der Sonne, werden nicht mit Süsswasser gesäubert und wenn es gerade ungünstig ist einfach in den Sand gedonnert. Die Krönung kommt allerdings später, wenn erste Ausfallerscheinungen auftreten. Sätze, wie: “Das kann doch nicht sein, das Teil ist neu.” oder “Was denken Die (damit sind wahrscheinlich die Tauchsporthändler gemeint) sich eigentlich, mir so einen Scheiss anzudrehen?” gehören zum Alltag und lassen mich oft schmunzeln.

Haben Taucher mittlerweile mehr Freiraum beim Reisen?

Diese Frage muss ich persönlich ganz klar verneinen. Seit Ende letzten Jahres muss man als Taucher für das Tauchgepäck eine Gebühr entrichten, die von Fluggesellschaft und Flugdauer abhängt. Für Ägypten sind das zusätzlich zum Flug nochmals 50 €. Das Problem aus meiner Sicht ist nicht die Neueinführung der Gebühr, sondern die Argumentation dafür. Ich frage mich, warum müssen Golfer, deren Gepäck in der gleichen Gewichtsklasse mitspielen, keine Gebühr bezahlen? Bisher habe ich leider keine Antworten darauf erhalten – schade. Auf meine Frage hin, ob das Tauchgepäck mit der neuen Gebühr nun zusätzlich versichert ist, habe ich nur ein Lächeln bekommen und die kurze Antwort: “Nein!”. Wenn die Fluggesellschaften diesen Punkt aufgenommen hätten, dann würde ich behaupten, dass ca. 70 % der Taucher mit der Gebühr einverstanden wären. Sollte das Tauchgepäck also auf dem Weg zum Urlaubsort verloren gehen, wird es wie normales Gepäck behandelt. Das sind für mich eine Menge Widersprüche, die weder Condor noch Air Berlin aufklären möchten. Das enttäuscht mich doch sehr, denn schon seit Jahren fliege ich sehr häufig mit beiden Fluggesellschaften und bin treuer Kunde.

Wenn ich jetzt noch anfangen würde, über den Transport meiner Fotoausrüstung zu berichten, würden sich die Nackenhaare vieler Leser aufstellen, sodass ich das auf einen späteren Post verschiebe.

Jetzt wird sich jeder Leser fragen, worauf ich eigentlich hinaus möchte? Das ist ganz einfach, die Entwicklung der letzten Jahre hat keine Vorteile für Taucher gebracht, sondern fast nur Nachteile. Auf diese Nachteile möchte ich gerne zu sprechen kommen.

Der Kommerz ist bei allen Tauchbasen längst angekommen. Es gibt nur noch wenige Tauchbasen, die Wert auf den einzelnen Kunden und deren Anforderungen und Wünsche legt. Grundsätzlich kann man sich damit abfinden, wenn die Allgemeinheit das Zepter in der Hand hat, aber was ich in den letzten Urlauben erlebt habe, grenzt an … ja an was … ich kann es leider nicht beschreiben. Ich habe das Gefühl, dass Taucher immer mehr durch die Guides bzw. Tauchbasen bevormundet werden, dass auch ja alles so durchgeführt wird, wie es immer ist. Es grenzt zeitweise an einen Kindergeburtstag, denn der Taucher darf selber keine Entscheidungen mehr treffen. Das möchte ich nun einmal mit einem Beispiel untermauern.

Morgens um 6.00h treffen sich Taucher, damit man per Speedboot nach Elphinstone fahren kann. Zunächst wird ein 30-minütiges Briefing gemacht, wo der Tauchgang bis ins kleinste Detail geplant wird. Hierbei wird mind. 5 fünfmalig betont, dass die max. Tauchtiefe 30m beträgt. Nachdem das Briefing endlich abgeschlossen ist, frage ich den Guide, ob mein Buddy und ich evtl. als Buddyteam ein wenig abseits der Gruppe tauchen können. Das hätte ich nicht machen sollen, denn vor der gesamten Gruppe macht der Guide eine Szene. Er fragt mich, wie ich auf die Idee kommen kann dort alleine mit meinem Buddy tauchen gehen zu können und das auch noch vor der ganzen Gruppe fragen zu können. Es ist dort viel zu gefährlich und es werden dort nur geführte Tauchgänge durchgeführt. Also nichts ist, doch Rudeltauchen angesagt. Kein Problem. Leider musste ich noch knappe zwanzig Minuten warten alle Taucher ihre Ausrüstung im Griff hatten – ein sehr lustiges Spektakel. Ich ging mir etwas zu trinken holen und sah durch Zufall die Liste mit den Teilnehmern. Es waren Personen mit teilweise weniger als 20 Tauchgängen dort eingetragen.

Hier nunmal ein paar Gedanken von mir zu dem Thema:

1.) 30 Meter Tauchtiefe? Hallo, geht es noch? Jeder der Elphinstone kennt, weiss, dass die Schätze ein paar Meter tiefer liegen. Diese Tiefendiskussion ist mittlerweile so abgedreht. In fünf Jahren wird man wahrscheinlich mit kompletter Ausrüstung nur noch Schnorcheln, weil es ansonsten zu gefährlich ist. Vor 10 Jahren hat es niemanden interessiert und das interessante daran ist, dass prozentual wesentlich weniger Tauchunfälle passiert sind. Nungut, man muss sich wohl daran gewöhnen, dass sich alles mit der Zeit ändert.

2.)Nur geführte Tauchgänge am Elphinstone? Das ist sowas von lächerlich. Jeder Taucher sollte unter jeglichen Umständen in der Lage sein, einen Tauchgang dort selbständig durchführen zu können. Es ist kein einfacher Platz, aber das gehört zu einem guten Taucher dazu. Ich klärte ihn zusätzlich noch darüber auf, dass ich am Elphinstone Reef schon über 150 Tauchgänge gemacht habe und es wohl ziemlich lächerlich sei, dass ich nun einer Gruppe hinterherpaddeln muss. Von diesen Tauchgängen waren ca. 95 % ungeführt, dass heisst ich bin dort mit meinem Buddy alleine ohne Guide tauchen gegangen. Daraufhin meinte der Guide nur, dass Safaritouren etwas anderes sein und sich die Regeln außerdem geändert haben. Nagut, an diesem Punkt kommt man nicht weiter, aber es ist schon interessant, dass erfahrene Taucher immer mehr in die Enge gedrängt werden.

3.)Ein Taucher mit weniger als 20 Tauchgängen hat nun wirklich nichts an einem solchen Riff zu suchen. Sicherlich kann es dort völlig entspannt zugehen und man kann dort einen Tauchgang genauso wie in einer Bucht durchführen. Es kann aber auch sein, dass es dort so stark kachelt, dass man fast den Automaten aus dem Mund verliert. In einer solchen Situation nicht sattelfest zu sein, ist mit Sicherheit nicht schön. Der “Private Guide”, der für solche Teilnehmer mitkommt, wird dann auch nicht helfen können – zumindest nicht allen. Es fängt damit an, dass viele nicht einmal wissen, wie man vom Zodiak ins Wasser geht … und das bei einem sehr unschönen Wellengang. Das war vor drei Jahren so auch noch nicht möglich. Man musste mind. 50 Tauchgänge haben und Freiwassererfahrung vorweisen können. Das bedeutet nicht, dass dadurch jeder der mitfuhr tauchen konnte, aber dennoch viele Anfänger zu Hause bleiben mussten. Es geht hier schließlich auch um die eigene Sicherheit. Es ist kein schönes Gefühl, wenn die Luftblasen nicht mehr aufsteigen, sondern den Weg in die Tiefe suchen, weil eine sehr eigenartige Strömung ist, die alles in die Tiefe zieht. Da möchte ich mal einen Taucher erleben, der das erste Mal mit Strömung, Tiefe und Wellengang konfrontiert wird. Zusätzlich muss er noch auf den Luftverbrauch und seine Tarierung achten …

4.) Jeder Taucher hat mal bei 10 Tauchgängen angefangen. Keiner wird direkt als Divemaster mit 1000 Tauchgängen geboren, aber Anfängern so einen Stress zuzumuten und eine solche Gefahr eingehen zu lassen, ist aus meiner Sicht ein Skandal.

In den nächsten Tagen werde ich noch ein paar weitere Beobachtungen niederschrieben …

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