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Streitthema: Tieftauchen

7. Mai 2009 | 3 Kommentare | Geschrieben in Tauchen, persönlich

Vor einigen Wochen habe ich bereits einen Post zum Streitthema Solotauchen verfasst. Die Resonanz per Kommentar und eMail war sehr interessant und durchweg eher positiv. Heute möchte ich mich dem Thema Tieftauchen widmen.

Per Definition (laut PADI) ist ein Tauchgang als Tieftauchgang anzusehen, wenn die max. Tauchtiefe mehr als 18 Meter beträgt.

Diese Aussage möchte ich im Raum stehen lassen. Warum behandelt PADI (andere Verbände natürlich auch) dieses Thema wie ein rohes Ei? Mit zunehmender Tiefe ist der Mensch und das Equipment natürlich gefordert und stößt je nach Tauchtiefe an seine Grenzen, aber warum will jeder festlegen, was mein Körper und meine Ausrüstung für Grenzen hat.

In Ägypten & Co. hat sich mittlerweile eine max. Tauchtiefe von 30 Meter durchgesetzt - natürlich mit einigen Ausnahmen. Meine Erfahrung zeigt, dass man auf Safarischiffen wesentlich “lockerer” mit dem Thema umgeht als bei Tauchbasen, die von Land operieren. Das liegt natürlich an der Zielgruppe. Bei Safaris fahren meistens erfahrene (Erfahrung bedeutet nicht Können) Taucher mit und bei Tauchbasen sind oft “Urlaubstaucher” und Anfängern vorzufinden. Das war zumindest vor ein paar Jahren noch so. Mittlerweile liegen auch Safaris bei Anfängern und Wackelkandidaten im Trend, weil die Reiseveranstalter mittlerweile alles mitnehmen was zu kriegen ist.

An dieser Stelle möchte ich nicht weiter ausschweifen, weil es ein eigenes Thema ist. Ein kurzer Satz: Anfänger und Taucher, die sich seiner Sache nicht sicher sind, haben auf einer Safari nichts zu suchen. Das mag zwar hart klingen, aber man muss sich auch um die Sicherheit Gedanken machen.

Im letzten Urlaub habe ich mit ein paar Tauchern eine interessante Diskussion geführt. Die Erfahrung der Taucher lag zwischen 200 und 50 Tauchgängen - Zertfiziert bei PADI. Man hat es in den letzten Jahren scheinbar geschafft, dass der Schüler keine eigene Meinung mehr haben darf und sich zu 100% an die Regeln zu halten hat. Scheinbar brauchen wir in ein paar Jahren auch eine Aufklärung a la Immanuel Kant damit die Tauchszene von den Fesseln befreit wird und wieder anfangen kann selbständig zu denken.

Ich habe noch immer die Sätze wie ….

“Jeder Tauchgang tiefer als 30 Meter ist lebensgefährlich…”
“Ab 35 Meter bist Du nicht mehr Herr der Lage (gemeint ist der Tiefenrausch) …”
“Tieftauchen ist Selbstmord …”
“Wenn die toxische Wirkung von Sauerstoff einsetzt … ”

…. im Kopf. Fakt ist natürlich, dass das Tieftauchen mit einem Risiko verbunden ist, aber sind vor 15 Jahren die Menschen sofort gestorben als man mal einen Quicki zur 60 Meter Marke gemacht hat ???

Nein, natürlich nicht, obwohl die Ausrüstung von damals nicht mit heutiger Ausrüstung vergleichbar ist. Damals wurde eine vernünftige Ausbildung mit hohem Praxis- und Theorieaufwand betrieben. Da hat es nicht geklappt in 3 Tagen seinen Open Water (oder vergleichbares) zu machen. Die Technik und das Wissen rund um die Dekompression und Spätfolgen war nicht annähernd vergleichbar mit der heutigen Situation, aber es gab dennoch weniger Unfälle als heute.

Ich spreche aus eigener Erfahrung und habe schon viele hundert Tauchgänge durchgeführt, die wirklich tief waren. Dabei ist nicht das “tief” gemeint, was PADI definiert. Aus vielen Tauchgängen habe ich gelernt und meine Schlüsse gezogen (und ein paar Tauchverbote kassiert … hehe).

Zunächst muss man natürlich eine 100%-funktionierende und leistungsfähige Tauchausrüstung haben. Das fängt bei den Flossen an und hört bei den Lungenautomaten auf. Ich würde nie mit fremden Lungenautomaten ins Wasser steigen - nicht mal für einen 10 Meter Tauchgang. Wenn man die technische Seite abgeklärt hat muss man natürlich sich selber auch gut kennen. Man muss seine Grenzen erkennen und daraus Konsequenzen ziehen können. Man muss den Mut und die Disziplin haben, sich einzugestehen wenn nichts mehr geht und man aufhören muss. Ein hohes Maß an Selbstkontrolle und Disziplin sind für tiefe Tauchgänge unabdingbar. Ein weitere wichtigere Voraussetzung ist Routine. Jeder Ablauf und Handgriff (Fini-Check, Maske ausblasen oder Tiefenmesser-Check) muss zu 100% automatisiert funktionieren. Trifft man zusätzliche Sicherheitsmassnahmen (getrennte Systeme, etc.) kann man beruhigt tauchen gehen.

Neben den technischen Fähigkeiten und der mentalen Stärke ist natürlich Erfahrung entscheidend. Man sollte nie sofort bei 100% einsteigen, sondern sich stetig weiterentwickeln, denn im Notfall entscheidet oft die Erfahrung über das Ende.

Tieftauchen bringt Risiken mit sich - das steht nicht zur Debatte. Mit Training, Erfahrung und Können kann man diese Risiken minimieren, aber natürlich nie zu 100% ausschließen. Es ist ein schwieriges Thema, was in der Vergangenheit besonders durch Tauchverbände gepusht wurde. Das Tieftauchen ist eher ein Mythos, der geschaffen wurde, denn es ist kein Hexenwerk. Letzlich muss jeder einzelne Taucher über seine Taten richten und übernimmt dafür zu 100% Verantwortung - egal ob die Ausbildung bei PADI, VDST oder SSI gemacht wurde.

PS: Natürlich übernimmt der Autor keine Haftung. Ich empfehle jedem Taucher die Richtlinien der Tauchverbände und Tauchbasen zu achten und ihnen zu folgen.

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3 Kommentare to “Streitthema: Tieftauchen”

  1. Paddy Says:

    Das Thema Tieftauchen ist in der Tat ein Streitthema. In Bezug auf Deinen Beitrag zum Solotauchen möchte ich noch hinzufügen, dass ich besonders bei Tieftauchgängen gerne einen erfahrenen Buddy an meiner Seite habe. Auch wenn ich mich gut vorbereite, so ist mir bei großen Tiefen dann doch wohler jemanden an der Seite zu haben, auf den ich mich verlassen kann.

    Ich selbst tauche auch sehr gerne tief, meinen tiefsten Tauchgang habe ich sogar gemeinsam mit Dir gemacht ;-) Aber man sollte sich auch immer fragen wieso jemand tief taucht. Wenn jemand nur einfach runter geht um anschließend die 50m auf der Uhr stehen zu haben und damit anzugeben, dann gehört dieser Taucher definitiv auf meine persönliche Black-List ;-)


  2. AbDuL Says:

    Hi Paddy,

    uch das wusste ich gar nicht :-) Hihi…sehr gut! Es gibt in der Tat einige, die nur auf die Tiefe gehen um dort gewesen zu sein und damit vor versammelter Mannschaft anzugeben. So sollte es nicht sein, aber gerade auf Safaris oder Plätzen wie dem Elphinstone Reef gibt es in der Tiefe wahre Schätze, die immer einen Besuch wert sind. Über die Tiefe mit anderen zu sprechen sollte man sowieso nicht machen … ansonsten wird man in den nächsten Tagen nur totdiskutiert - außerdem - ein Gentleman schweigt und geniesst.

    Gruss,
    Adrian


  3. Paddy Says:

    “ein Gentleman schweigt und geniesst”

    Hehe, sehe ich genauso. Gleich mal mein Log im Tauchcomputer löschen, bevor es am Donnerstag nach Ägypten geht und jemand auf die dumme Idee kommt reinzuschauen ;-)


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