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Tagesarchiv für den 07. April 2009

Streitthema: Solotauchen

Als Solotaucher wird man oft mit strafenden Blicken begutachtet. Solotauchen ist für viele Taucher noch immer ein Tabuthema. Hierzu gehen die Meinungen weit auseinander und die Diskussionen um dieses Thema sind hitzig und emotional und führen meist zu nichts. Ich frage mich woher das kommt, denn jeder Mensch ist für seine Taten (solange keine weitere Person betroffen ist) für sich verantwortlich. Wenn sich also ein Taucher entschließt alleine in einen See zu springen, dann ist das in Ordnung. Ich persönlich tue es auch sehr gerne und stehe dazu, warum auch nicht?

Als Fotograf benötigt man an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr Zeit, denn ein gutes Foto braucht eine gewisse Vorbereitung und Ruhe. Im letzten Urlaub war ich immer das Schlusslicht der Gruppe und habe oft die Gruppe nicht mehr sehen können, aber das war für bestimmte Tauchlehrer kein Problem. In Europa ist es in den meisten Seen auch kein Problem, sofern das Tauchen dort nicht überwacht wird. Der nächste Punkt, warum ich meine, dass Solotauchen manchmal sogar besser sein kann als im Buddysystem zu tauchen ist das Thema Sicherheit. Meine Ausrüstung ist fürs technische Tauchen geeignet und doppelt ausgelegt, d.h. ich kann mich zu 100% darauf verlassen - egal ob die Atemregler oder das Wing. Ich weiss wie ich mit dieser Ausrüstung umzugehen habe und in Notsituationen zu reagieren habe. Ich kann mir in jedem Fall immer selber helfen und muss mich nicht auf meinen Buddy verlassen. Wenn man im Urlaub nun einen Buddy zugeteilt bekommt, den man zunächst nicht kennt, halte ich das für wesentlich gefährlicher.

1. ich kenne die taucherischen Fähigkeiten nicht
2. ich kenne das Verhalten der Person in Notsituationen nicht
3. ich kann den Zustand seiner Ausrüstung nur äußerlich erahnen
4. ich habe kein Vertrauen zu dieser Person

Begutachtet man die durchschnittlichen Skills von Tauchern wird man feststellen, dass das Niveau über die letzten Jahre stetig gesunken ist. Das ist die Folge der Kommerzialisierung des Tauchsports. Die meisten Taucher machen einen PADI Kurs und sind in 2 oder 3 Tagen Open Water Diver. Das soll nicht heissen, dass man hier nichts lernt, aber die Vertiefung physikalischer Grundlagen bleibt leider auf der Strecke. Bei einem Tauchgang im Roten Meer auf 20m kann da nicht viel passieren, aber ich übernehme gleichzeitig Verantwortung für diesen Buddy. Diese Verantwortung möchte ich eigentlich gar nicht. Anders sieht es da schon bei einem Tauchgang im offenem Meer an einem Riff mit Strömung und Tiefe aus - zusätzlich gibt es gigantische Wellen. Ich kann in dieser Situationen nicht wissen, wie der/die Buddy reagiert. Wenn ich mit einem Buddy tauche, den ich schon lange kenne, und wo man sich gegenseitig vertrauen kann - dann ist ein Buddysystem sinnvoll und bei extremen Tauchgängen wichtig. Ich tauche gerne im Buddyteam, wenn Vertrauen vorhanden ist. Mit einer fremden Person, wo man evtl. nur den Vornamen kennt, ist ein Buddysystem in den wenigsten Fällen funktional.

Ich akzeptiere natürlich auch die Meinung von Anti-Solotauchern. Einige Argumente kann man sogar nicht entkräften und muss dieser Fraktion das Recht einräumen. Ich persönlich erwarte dann im Gegenzug allerdings das Gleiche.

Mittlerweile sind auch einige Tauchverbände auf die Idee gekommen, dass das Solotauchen vielleicht für manche Taucher doch interessant ist. Schließlich hat man vor der PADI-sierung der Taucherwelt auch öfter einen Solotauchgang gemacht. Es gibt spezielle zertifizierte und geprüfte Kurse, wo man das Solotauchen erlernen kann. In diesen Kursen wird man auf alle Risiken und evtl. Vorfälle vorbereitet.

bisher 2 Kommentare 07. April 2009


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